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Gehen – zu zweit oder alleine?

Unterwegs sein. Nicht alle wollen weg. Zuhause ist es am Schönsten, meinen sie. Und sie haben Recht. Auch Recht haben diejenigen, die gehen, weg-gehen, verreisen, immer wieder. Philosophen wie Aristoteles vereinten Denken und Gehen, Nietzsche traute keinem „eigenen Gedanken, wenn er nicht an der frischen Luft, auf einem Spaziergang entstanden ist“ und Ludwig Wittgenstein notierte in seinem Tagebuch 1937: „Du sollst hier in dieser Welt nicht sitzen, sondern gehen.“

Gehen. Wandern. Draussen in der Natur, an der frischen Luft. In einem fremden Land. Letzteres ist besonders erbauend. Das wissen diejenigen, die Weitwanderungen unternehmen. Auf dem Jakobsweg, der Via Alpina, Coast to Coast Walk, Grande Traversata delle Alpi oder – dem Gallusweg.

Unser Gallus-Fernwanderweg führt von Bangor bei Belfast nach Rosslare (z.T. auf dem St. Patricks Way), hinüber nach und durch Cornwall, hinüber nach und durch das nördliche Frankreich und über Basel nach Bregenz und St. Gallen. An einigen Orten, vor allem durch Frankreich, werden wir durch Orte kommen, die Kolumban und Gallus mit ihren Gefährten auch passiert oder gar gegründet haben – Saint Columb, St. Coulomb, Luxeuil, Tuggen, Bregenz, natürlich St. Gallen. Ihre Wege hingegen sind heute zugepflastert, überwuchert, vergessen. Geblieben ist die Faszination, diesen Weg zu gehen, weit zu gehen, zu Menschen und Orte, die uns inspirieren, bereichern, belohnen.

Weitwandern ist kein Sport. Weit wandern kann jeder. Hier zählen nicht die Sekunden, nicht der Stil, nicht die Ergebnisse. Nur das Erleben. Weitwandern will der eine alleine, die andere zu zweit, viele in der Gruppe. Robert L. Stevenson schreibt in seinen „Fusswanderungen“: „Um eine Wanderung wirklich geniessen zu können, muss man sie alleine unternehmen.“ Schickte er, weil er insgeheim wusste, dass er irrte, darum Robinson Crusoe einen Gefährten?

Auch ich wandere gerne alleine und bin doch nie alleine – so vieles „spricht“ mit mir, die Natur, der Körper, vor allem die Beine, begegnen mir Menschen, locken Umwege. Gedanken kreisen, die Augen sind mehr als beschäftigt, die Nase nimmt Gerüche auf, das Ohr Geräusche, Stimmen, Laute – nein, alleine ist man nie beim Wandern.

Zu zweit, zu dritt zu wandern hat ebenfalls seinen Reiz. Man beginnt frohen Mutes, lockeren Mundes, grübelt über Routen nach, diskutiert, gestikuliert nebeneinander, wird stiller und stiller, läuft plötzlich hintereinander und lässt nur noch die Natur mit sich reden. Bis man ankommt. Zuerst er, dann ich, morgen vielleicht umgekehrt. Wie unglaublich spannend dann das Erzählen. Man ist den gleichen Weg gegangen und hat doch ganz anders empfunden, anderes gesehen, gehört, gerochen.

Ja, beim Wandern ist man nie alleine.

Auch Gallus und Kolumban waren selten alleine. Im Gegenteil. Sie suchten die Menschen. Sie suchten das Gespräch, die Gesellschaft. Sie trafen überall auf Fremde. Heiden. Wollten Bekehren. Mussten umkehren. Neu beginnen. Das wird uns erspart bleiben. Der Zeit sei Dank.

Wir suchen auf unserem Gallusweg auch die Menschen, die Gesellschaft. Suchen und werden Orte finden, die uns fremd sind, die uns aufnehmen, hoffentlich nicht abweisen. Zu zweit oder allein – das kommt nicht darauf an. Wenn man geht, ist man offen, ist man immer zu zweit oder zu dritt, mit sich, der Natur, dem Gefährten. (RF)

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