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Vorbereitungen (2): Wolfgang und Françoise auf unbekannten Wegen…

„Unsere“ Etappe von Soissons nach Luxeuil ist in keiner Dokumentation enthalten oder beschrieben. Trotzdem muss Gallus mit seinem „Chef“ Kolumban und seinen 11 Gefährten von der französischen Küste irgendwie bis nach Luxeuil gewandert sein. Soissons ist festgehalten. Von dort dürfen wir annehmen, dass die Mönchsgruppe einen relativ direkten Weg nach Luxeuil gewählt hat. Bei einer Rekognoszierung im letzten Herbst haben meine Frau Françoise und ich versucht, einen wahrscheinlichen Weg zu finden, der obendrein nicht allzu sehr befestigten Strassen folgt. Erfahrungsgemäss sind zu den damaligen Zeiten für das Über-winden grösserer Distanzen flussnahe Wege oder alte Römerstrassen benutzt worden. Mit diesen Überlegungen haben wir uns unseren Wegabschnitt eingeteilt.

Von Soissons nach Reims gibt es nicht allzu viele Alternativen als der Hauptstrasse zu folgen. Dann jedoch bietet sich die Möglichkeit, durch die Weinberge der Champagne zu wandern, was im Juni einige wunderschöne Ausblicke, aber auch Gelegenheit zu der einen oder andern Degustation bieten dürfte. Asketische irische Mönche um Kolumban waren zwar den leiblichen Genüssen nicht zugetan, aber Gott schuf diese herrlichen Produkte nicht nur zum Ansehen …
Danach werden wir wohl ein beträchtliches Stück via Châlons en Champagne, Vitry-le-François, Saint-Dizier möglicherweise bis nach Joinville der Marne auf dem Treidelweg folgen. Zwischen Joinville und Neufchâteau besteht die Mög-lichkeit, ein kleines Stück des Jakobsweges (Toul – Clairveaux) zu benutzen. In Domrémy-la-Pucelle, dem Geburtsort von Jeanne d’Arc (der französischen Nationalheiligen) werden wir selbstverständlich dem Museum einen Besuch abstatten.
In Frankreich gibt es zahlreiche GR (Grand Randonné, Weitwanderwege), die nummeriert und entsprechend auch auf Karten eingezeichnet sind. So planen wir, ab Domrémy-la-Pucelle ein Stück auf dem GR 714 zu wandern. Für die Strecke zwischen Vittel und Luxeuil sind wir noch „offen“, dh wir wissen noch nicht, welcher Weg uns zum Ziel führen wird. Abenteuerlust gehört aber auch mit zu unserem Rüstzeug und wir lassen uns gerne (nicht allzu stark!) überraschen.

Drei Begebenheiten haben unsere Vorbereitungen positiv ergänzt:

Zum einen habe ich zufällig eine ehemalige Schulkameradin, Dr. Magdalen Bless, nach 50 Jahren (!) wieder „entdeckt“, da sie als Historikerin einen Vortrag über Kolumban und Gallus gehalten hat. Dabei haben wir uns natürlich auch über die Herkunft von Gallus unterhalten. Sie geht mit Max Schär nicht einig, der Gallus als irischen Secondo aus dem Elsass sieht, von dem wenigstens ein Elternteil irischen Ursprungs sein dürfte. Magdalen zufolge sind die Quellen recht klar: Gallus war Ire! Sie bedauert, dass die Diskussion – Ire oder nicht – einen Grossteil der verschiedenen Anlässe zu Ehren unseres Kantons-Heiligen derart stark beeinflusst und seine unbestrittenen immensen Einflüsse auf die Entwick-lung unserer Region eher in den Hintergrund rückt.
Eine Kurzfassung dieses Referats findet sich an anderer Stelle auf dieser Homepage.

Zum andern hat Michel, ein französischer Freund, den Françoise und ich auf unserem Jakobsweg im 1999 kennen gelernt hatten, überraschenderweise angeboten, uns auf unserem Wegstück des Galluswegs zu begleiten. Eine wunderbare Aussicht, denn Michel ist als waschechter und eingefleischter, aber auch belesener Franzose eine interessante Ergänzung unseres Teams. Mit ihm über die absehbaren Themen diskutieren zu können wird uns enorm bereichern.

Und schliesslich gehört das neu erschienene Buch von Max Schär zurzeit zu meiner Bettlektüre. Es ermöglicht mir, mich vertieft mit der Vita des Heiligen auseinanderzusetzen. Es regt ganz ordentlich zum Nachdenken an. Dabei sind gewisse Ausführungen, die für den Historiker von fundamentaler Bedeutung sein mögen (zB. Ire oder nicht), für den Laien nicht von derartigem Interesse. Jedoch ist die Einbettung des Gallus-Lebens in seine Zeit eine Lektüre wert.

Was uns zurzeit noch beschäftigt, ist die Logier-Problematik auf unserem Weg-stück. Verwundert haben wir festgestellt, dass es gelegentlich auch in grösseren Ortschaften gar keine Hotels gibt. Sogar zahlreiche Dörfer der Champagne kommen völlig ohne Hotels aus. Das haben wir nicht erwartet. Somit werden wir in den in Frankreich recht häufig anzutreffenden Chambres d’hôte (entsprechen etwa den Bed&Breakfast in England) Unterkunft suchen. Das eröffnet aber auch wieder neue Perspektiven und Kontaktchancen. Und die Freunde von Kolumban in Luxeuil haben uns angeboten, uns bei der Suche nach Beherbergungsmöglich-keiten zu unterstützen. Da fühlen wir uns wieder in guter Umgebung.
Wir haben also noch ein Stück Arbeit vor uns, bevor wir uns dem eigentlichen Wandern zuwenden.
Wolfgang Sieber

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