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Vorbereitungen (3): Auf den Spuren von Gallus…

Teil 1: Von Luxeuil bis Basel

Das Ziel unserer Wanderung kenne ich. Ich bin in St. Gallen aufgewachsen und in der „Flade“ zur Schule gegangen, in jene Schule also, die im Klosterbezirk steht, etwa dort, wo Gallus vor 1400 Jahren gestolpert ist. Der Startort, die kleine Stadt Luxeuil in den Vogesen, war mir bis vor einem Jahr unbekannt. Dann hatte ich das Glück, ins „Wanderteam Bangor – St. Gallen“ eingeladen zu werden. Mir wurde das Schluss-Stück zugeteilt, mit Luxeuil als Startort. Seither war ich schon zweimal dort. Auch wenn Kolumban, der Abt und Führer der Mönchsgruppe, in Luxeuil noch präsenter ist: Unseren Gallus finden wir dort ganz prominent.

War Gallus wirklich der irische Mönch, der aus Bangor zu uns nach St. Gallen kam? Oder war er ein Elsässer, der sich erst in Luxeuil den Glaubensboten von der Insel anschloss? Der Streit ist – gerade im Jubiläumsjahr – aktuell. Aber er berührt mich nicht. In der Vorbereitung auf meinen Gallusweg benutze ich drei Quellen. Max Schär sagt in „Gallus – Der Heilige seiner Zeit“ deutlich, dass Gallus nicht aus Irland, sondern aus den Vogesen stamme. Wer sein Buch liest und seine Vorträge hört, glaubt ihm gerne. Im Buch „Gallusland“ von Christian Schmid dagegen heisst es schon im zweiten Kapitel „Gallus verlebte die Blüte seiner Jugendzeit auf der Insel Hibernia (Irland).“ Auch für die Vorarlberger Karl und Philipp Dörler sowie Thomas Klagan war Gallus ein Ire. Im Text auf der hinteren Umschlagseite ihres Buches „Kolumban und Gallus“ lesen wir: „Vor über 1400 Jahren verliessen die irischen Mönche Kolumban und Gallus ihre Heimat und zogen ins Frankenreich.“ Dieses 2:1 ist nur ein zufälliger Sieg für Irland. Ich lasse die Frage gerne offen. Wie dem auch sei: Von Luxeuil nach St. Gallen, diese Strecke ist Gallus wirklich gewandert. Also ist der Weg gegeben. Denkt man…

Weit gefehlt! Auch für den letzten Abschnitt ist so manche Einzelheit unklar. Ganz klar ist: Die Mönchsgruppe hat Luxeuil nicht in Richtung Schweiz oder Bodensee verlassen, sondern sie wurde aus Luxeuil vertrieben und wanderte in die Gegenrichtung, nämlich ans Meer, mit dem Ziel, nach Irland zurück zu kehren. In Nantes bestieg die Gruppe ein Schiff, doch der hohe Seegang verunmöglichte eine Reise nach Irland. Dies werteten die Mönche als Zeichen vom Himmel, verliessen das Schiff und wanderten über Soissons, Paris, Metz und Mainz nach Basel. Wanderten? Über weite Strecken folgten sie Flussläufen und benutzten Boote. Ab Basel sind einige Wegstücke historisch gesichert, aber nicht der ganze Weg bis nach St. Gallen.

Damit wird dieser erste Abschnitt unserer Wanderung, also das Teilstück von Luxeuil nach Basel, ganz „unhistorisch“. So vieles ist bei mir völlig anders, als es bei Gallus war. Das sind drei Unterschiede:

a) Die Gruppe
Kolumban und Gallus wanderten in einer Gruppe von etwa zwölf Personen.
Wir machen den Weg zu zweit. Hanspeter Hüppi, auch aus Widnau wie ich, auch pensionierter Lehrer, der mich beruflich und sportlich schon lange durch mein Leben begleitet, ist mein Wander-Kamerad. Wir planen gemeinsam, und wir wandern gemeinsam. Allerdings: Wir könnten leicht eine Gruppe von zwölf wanderfreudigen Gal-luspilgern zusammen bringen. Dann wären wir so viele wie die Mönche damals. Zwei konkrete Anfragen musste ich schon abweisen, und aus Gesprächen spüre ich immer wieder heraus: Könnte ich auch mitkommen? Die ersten Erfahrungen auf dem Gallusweg möchten wir zu zweit machen. Ob aus diesen Erfahrungen später eine Gruppenwanderung wird?

b) Die Route
Die Mönchsgruppe startete damals in die Gegenrichtung: Die Wanderung über Nantes, Paris und Metz bis Basel hat wohl etwa ein Jahr gedauert.
Wir wandern von Luxeuil auf dem direkten Weg nach Basel und sind deshalb auch nicht ein Jahr, sondern nur fünf Tage (rund 120 km) unterwegs. Mit etwa sechs Stunden Wanderzeit pro Tag ist das eine Leistung, die es auch erlaubt, unterwegs einmal eine Kirche zu besichtigen (wir kommen in Ronchamp vorbei), ein Gespräch mit Menschen am Weg zu führen oder einfach an einem schönen Weiher (ein Gebiet, das wir durchqueren, heisst „Tausend Weiher“) eine längere Mittagsrast zu geniessen.
Der Weg von Luxeuil bis Basel ist kein ausgeschilderter Wanderweg. Ein dichtes Wanderwegnetz, wie wir es in der Schweiz kennen, gibt es in Frankreich nicht. Quer durch Frankreich führen zwar sehr gut bezeichnete Weitwanderwege (GR, Grande Randonnée), aber für unsere Strecke fehlt so ein Weg. Wir suchen unseren Gallusweg durchs Elsass.

c) Mit dem Boot
Die Mönche sind den Flussläufen gefolgt. Oft haben Ruderer sie auf Booten ans Ziel gebracht.
Auf unserem ganzen Weg werden wir keine Schifffahrt machen, auch wenn es zum Beispiel ab Basel rheinaufwärts oder später auf dem Zürichsee gute Möglichkeiten dazu gibt. Es ist unser Ziel, den ganzen Weg zu Fuss zu bewältigen.

So werden wir also auf dem ersten Teil unseres Gallusweges, wenn wir Luxeuil verlassen haben, keine Spuren von Gallus und Kolumban finden, auch keine Gallus-Pfarrei, wie dies später einige Male der Fall ist. Aber sobald wir in Basel ankommen, gehen wir zum Basler Münster. Auf der Nordseite sehen wir das Gallus-Portal. Ab jetzt sind wir, wenn man so will, erstmals mit Gallus und seinen Gefährten unterwegs.
Beni Bruggmann

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