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Ich bin dann auch mal weg…

Soll ich jetzt das Kurzarm-Hemd auch noch mitnehmen? Und den Knirps? Und die Hausschuhe, haben die noch Platz?

Die Auslegeordnung vor dem Rucksack erinnert an militärische Zeiten – dabei geht es um eine ganz friedliche Mission, nichts von kriegerischen Auseinandersetzungen. Weder Afghanistan noch Bagdad – Belfast, Bangor, Nordirland ist das Ziel. Wobei, Belfast? Da war doch was…

Tempi passati. Zumindest für uns. Es geht ans Packen. Für eine friedliche Wanderung.

Wanderhose kurz, lang, T-Shirt, Hemd, Socken, Unterhosen und so weiter und so schwierig – schwierig, sich zu beschränken. Die Kunst des Weglassens beginnt. Was in der Architektur, der Malerei, der Literatur derzeit „en vogue“ ist, ist bei mir ein Kampf – die Kunst der Reduktion.

„Vollkommenheit entsteht nicht dann, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.“

Lieber Antoine de Saint-Exupéry, du warst vielleicht auf deinem schönen Planeten – aber hast du schon mal eine Weitwanderung von 500 km gemacht?

Nun, das bewusste Weglassen von unnötigem Ballast, das „Minimum“ herstellen, das ist gar nicht so einfach. Man kennt das Wetter nicht, das einen empfängt und vor dem man sich schützen muss, man kennt die Wege, auf denen Schuh vor den Schuh gesetzt wird, nicht, die Herbergen sind unbekannt, weiss nicht, ob es zwischen der gefüllten und der leeren Wasserflasche Auffüllstationen hat oder nicht – alles will und muss bedacht sein.

Ach was, geh doch einfach nach deiner Liste, meint meine herzensgute Frau – und hat recht. Also, alles schön abhacken und dann nichts wie rein in den Rucksack.

Den kleinen oder grossen?

Mensch, mach dich nicht verrückt, bevor dich die Wegkilometer irre machen.

Wo sie Recht hat, hat sie Recht – aber tragen muss ich ihn halt. Und es wird der grosse sein. Denn Utensilien für vier Wochen bring ich nun mal nur in den vermaledeiten grossen Sack. Ein Ruck geht durch mich hindurch und der Rucksack ist voll.

9.1 kg. Geschafft. Unter zehn Kilo. Welch Glücksgefühl stellt sich erstmals ein.

Ja, es ist befreiend, etwas wegzulassen, sich einzuschränken. Das glückliche Resultat der Weglassung aller Nebensächlichkeiten.

Und wie befreiend wird es erst sein, wenn man mit leichtem Gepäck durch herrliche Landschaften streift, Naturwunder beguckt, Menschen begegnet, Gespräche führt oder schweigend sich in Gedanken verliert? Unserer Abreise steht also nichts mehr im Wege.

Auch unsere Fragen auf dieser Reise sind eingepackt:

  • Würde Gallus auch heute noch aufbrechen?
  • Was würde er erleben?
  • Welchen Menschen würde er begegnen?
  • Durch welche Landschaft würde er marschieren?
  • Würde er Orte, Stellen finden, die an die Zeit seines Aufbruchs, seiner Ankunft erinnern?
  • Ist alles besser geworden als vor 1400 Jahren?

„Columbans Revolution“ (Peter R. Müller) haben wir viel zu verdanken. Sie haben nicht nur evangelisiert, das Land christianisiert, sondern unseren Ländern Sinn für Kultur gebracht, Gemeinschaften geschaffen, die etablierten gallisch-römischen Seilschaften gebrochen, dem heidnischen kurzfristigen Denken, langfristiges Handeln und Engagement entgegengesetzt. Sie haben sich zwar auch mit Machthabern zusammengetan, aber nur, um ihre Klostergründungen und damit die Bildung von Gemeinschaften langfristig zu sichern.

Columban und seine Gesellen prägten das Denken, Handeln und Leben für mehr als tausend Jahre. Eine beachtliche Leistung.

Wir werden nichts weiter dazu beitragen können. Aber aufbrechen, Altes neu sehen, Mut zur Veränderung haben – das können und müssen wir.

Und wie Leben die Menschen an den Wegen, die Gallus und Kolumban vor 1400 Jahren gegangen sind? Wir werden sehen…

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