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Wanderblog

Kirche oder Pub, Gallus oder Chaplin?

Nach dem harten Wandertag gestern waren wir müde und zu Spässen aufgelegt. Zudem sassen wir in der Chaplin-Bar im Hotel Slieve Donard in Newcastle, wo Chaplin im September 1921 nach einer verflossenen Liebe suchte. Die Frage „Gallus oder Chaplin – wer hat der Welt mehr gebracht?“ war natürlich humoristisch gedacht und hatte zu tun mit einer kurzen Begebenheit in der St. Patricks Kathedrale. Doch nach dem heutigen Tag musste die Frage wie im Titel nochmals und neu gestellt werden.

Doch zuerst zu gestern. Nach dem Schock mit dem Gallus-Bär (siehe Blog gestern) besuchten wir die Kathedrale. Drinnen war gerade eine Messe mit fünf (in Zahlen: 5!) Besuchern im Gang. Eine Tür trennte uns vom Gottesdienst, den wir eigentlich, in der wohlig warmen Stimmung nach der Bären-Geschichte, gerne kurz besucht hätten. Und wie Touristen sahen wir ja auch nicht aus – mit Sack und Pack, Hut und Pelerine schon eher wie Pilger. Berechtigt doch zum Zutritt, oder?
Denkste. Die ältere Dame gleich bei der Tür hob den Mittelfinger an den Mund und beschied mir: „Psst, it’s service!“ – auf gut Deutsch: Mach die Tür von aussen zu, Tourist!
Nun gut, artig wie man ist macht man kehrt und steht, welch Ironie, vor einer Tafel mit der Inschrift:

„You came as a stranger and left as a friend.“

Ich „came as a stranger“ und ging „as a stranger“! Der Kirchgang war uns verschlossen, wie das Grab draussen vom heiligen Patrick. Soviel zur kirchlichen Begebenheit gestern, soviel zur offenen Kirche…
Nun zur weltlichen Begebenheit heute. Wir durchstreiften heute die Mourne Mountains – von Newcastle nach Newry, oder eben fast. Im Wort Mourne steckt das Verb „to mourn“, was so viel wie „zu klagen“ heisst. Das hatten wir vorerst nicht, denn endlich fanden wir Wanderwege, die das Wort verdienten. Aber einsetzender Regen, Wind, tiefer, nasser Moorboden trieben uns vor Newry in das Städtchen Hilltown, wo wir uns aufwärmen und auftanken wollten. Wir fragen einen Beifahrer in einem stehenden Auto nach dem nächsten Restaurant.

„Restaurant? No thery is no such thang“ – so irgendwie klang das Gälische, das uns da entgegen geschleudert wurde. „But you com’on wyth mea – heara is Lawry’s Pab!“ Was wiederum so viel hiess wie – Kommt mit mir in Lawry’s Pub. Und schon tappten wir hinter John, so stellte er sich vor, ins enge, bierig riechende Pub. Und siehe da, kaum waren wir drinnen, stand schon ein offeriertes Pint vor uns, lachten uns zahnlose Menschen an, schüttelten uns alle die Hände, freuten sie sich, zwei spleenige Schweizer Weitwanderer kennen gelernt zu haben und konnten uns kaum vor freundlich gedachten, aber kaum zu verstehenden Ratschlägen erwehren. Es wurde gelacht und getrunken. (und darob die Wanderstrapazen vergessen…)

Wir kamen als Fremde und gingen – innert Minuten – als Freunde. Es brauchte dazu kein Plakat. Sie lebten diesen Spruch.

Kirche oder Pub, Gallus oder Chaplin?

John ist arbeitslos, ein Alkoholiker auch, ein armer Schlucker, aber er hat uns ein Bier offeriert und uns zu sich eingeladen – die Kirche wollte uns nicht. Sie „lebt“, so scheint es, in einer anderen Welt. Und wir wundern uns über leere Kirchen und volle Pubs und lernen: Wer nichts mehr hat, hat immer noch das Lachen und die Gastfreundschaft. 1 : 0 für Chaplin.

Auf prächtigen Wanderwegen durch die Mourne Mountains...

...und mit John (r.) in Lawry's Pub!

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