Aktuelles Gallusweg Projekt Route Wanderer Partner/Sponsoren Google Maps Gallus-Volksmarsch Rheintalische Grenzgemeinschaft Baumeler Reisen freicom. Next AG - Internet St. Gallen Baumeler Galluswanderungen Inhaltsverzeichnis Wanderblog Kontakt Appenzeller Verlag

Wanderblog

Kevin allein im Wald… / Halbzeit

"Kevin" allein im Wald..., im hübschen Tal der zwei Seen

Keine Gallus-Spuren heute weit und breit – aber Kolumban wurde in dieser Gegend geboren, wie uns Mary Kelly vom Glendalough Visitor Center erklärte. Hell begeistert, zwei „Pilger“ aus St. Gallen („Oh, St. Gallen. You have the most Irish Book Collection in the world!“) vor sich zu haben, erklärte sie uns sofort zu ihren Gästen und wir mussten im Center keinen Cent Eintritt bezahlen. Unbezahlbar vor allem ihre Erläuterungen zu Kevin, den Mönchen, dem Missionieren.

Der Kevin (geboren zwischen 500 und 550, gestorben 612) entstammte aus reichem Hause und wurde mit sieben in eine Klosterschule gesteckt. Viele der Mitschüler waren damals besessen von dem Gedanken, mit Gottes Segen und Lehre etwas zur Verbesserung des menschlichen Daseins zu tun. Nach einer Rom-Pilgerreise beschloss Kevin sich in die Einsamkeit der Wicklow Mountains zurückzuziehen. Er sei ein hübscher Jüngling gewesen und ein Mädchen, Kathleen, konnte scheinbar nicht von ihm lassen und verfolgte ihn – heute würde man sie eine Stalkerin nennen…

Kevin floh in seine Höhle, aber auch dort fand sie ihn. Er habe die schöne Kathleen mit Brennnesseln geschlagen und anschliessend in den See geworfen, wo ihre Liebesglut scheinbar abkühlte. Sie wurde nie mehr gesehen. Nun, darum wurde er sicher nicht heiliggesprochen – schon eher, weil er, als er mit ausgestreckten Armen betete, sich eine Amsel auf seine Hand setzte und ein Ei legte, das sie dort ausbrütete. Wie auch immer sich das zutrug – heute ist er der Schutzpatron der Amseln (von denen wir keinen Pfiff hörten, geschweige denn eine sahen…)
Hübsche Geschichte. Bedeutend war Glendalough für die nächsten 600 Jahre für die christliche Lehre in Irland und auf dem Kontinent. Von hier brachen viele Mönche auf und missionierten in Europa. Auch Kolumban sei wahrscheinlich mit Kevin in Kontakt gewesen. Immerhin eine Spur zu Gallus.

Halbzeit – Loyalität…
Wir haben über 220 Kilometer in den Beinen, sind über drei Bergketten gewandert, haben viele Städte und Dörfer gesehen, Menschen getroffen, bedeutende Stätten christlicher Gelehrsamkeit betreten. Direkte Gallus-Spuren und Wege haben wir ausser in Bangor nicht angetroffen, nur indirekte, von Mönchen, die gleichzeitig wie Gallus lebten und wirkten, oder Klöster, wo mit spiritueller Kraft und religiöser Inbrunst versucht wurde, das Leben der Mitmenschen zu erleichtern.
Wir haben diese religiöse Inbrunst nicht in uns, wir wollen auch nicht missionieren und evangelisieren. Wir wollen wissen, wie es ist, einen langen Weg zu gehen, Menschen kennenzulernen, die in einer anderen Kultur leben und denken und was die Mönche und Leute damals umtrieb, warum sie aufbrachen. Wir wollen aber auch wissen, wie es uns beiden ergeht, wenn man Stunden um Stunden wandert und nur den einen Menschen neben sich hat.

Von letzterem können wir positives berichten. Es ist erbaulich, Zeit für Gespräche zu haben, ohne Zeitdruck zu gehen, ohne Terminplan zu sein. Schön ist es auch, immer vorwärts zu gehen, nie zurückgehen zu müssen, nur zurück schauen zu dürfen und zu sehen, was man geleistet hat (im Gegensatz zum echten Leben, wo man nicht zurückschauen sollte…) Oft geht man auch alleine, vor allem gegen Ende einer langen Wanderung wie gestern, dann beginnt man zu meditieren, taucht in sich hinein, verliert sich – und vergisst, dass man müde ist.

Über was haben wir gesprochen? Über Loyalität einmal, weil es uns beide beschäftigt, weil es eine Grundvoraussetzung im Berufs- wie im Privatleben ist und immer wieder mit Füssen getreten wird und auch wir schmerzliche Erfahrung mit illoyalen Menschen gemacht haben. Gallus war loyal, bis er nicht mehr anders konnte und sich lossagen musste. Aber auch dann war er weiterhin loyal gegenüber Kolumban, befolgte seine Lehre und Regeln, las auch keine Messe mehr. Diese Form von Loyalität benötigen wir auch 1400 Jahre nach Gallus – aber manche sind nur so lange loyal, wie es für sie von Nutzen ist…

Mit Mary Kelly, der Kennerin von Kevin, Klöstern und Kolumban, im Glendalough Visitor Center.

Die Zelle des hl. Kevin, von der nicht mehr viel übrig ist, hoch oben über dem Upper Sea im Glendalough-Tal

Das Anwesen des ehemaligen Klosters in Glendalough mit dem Rundturm ganz links

Und so muss die Kloster-Anlage des hl. Kevin im 12. Jahrhundert ausgesehen haben.

Die Iren sind (waren?) fromme Leute: Sogar an den Wegweisern ist die Zeit, wann die hl. Messe stattfindet angeschrieben...

Dieser Beitrag wurde unter Wanderblog veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Drucken

Kommentare sind geschlossen.

Newsletter