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Wanderblog

Rückschau bei stürmischer Überfahrt

Ein orkanartiger Sturm verabschiedet uns heute in Irland...

Wir kreuzen Gallus‘ Weg. Seinen Seeweg. Starker Sturm heute. Wie wäre es den Mönchen in ihrer Nussschale bei solch einem Wetter ergangen? Schon beim Gedanken daran wird uns sterbenselend und kotzübel.

Unsere Fähre ist dagegen ein Koloss, elf Decks hoch. Sie stampft und schwankt mit reduziertem Speed durch die schwere See. Ihr Bug knallt auf die Wellen, dass die Eisenbalken erzittern und zu bersten drohen. Auch unser Magen schwankt…Zum Glück ist weit und breit kein Eisberg in Sicht und wir sind auch nicht auf der Costa Concordia sondern der Isle of Inishmore, 182 m lang, 34‘000 Tonnen, Sulzer Motoren – beruhigend. Nicht so die See, die will sich nicht beruhigen.
Aber wir gehen in Ruhe die letzten vierzehn Tage durch, wandern in Gedanken nochmals den Weg ab, begegnen nochmals den Menschen auf unserem „Gallusweg“, sehen die Stätten aus den Zeiten von Gallus vor unseren Augen und ergötzen uns an der Landschaft, die wir durchstreift haben.

Was ist uns aufgefallen?

Wandern wurde nicht in Irland erfunden, Wanderer müssen hier mit Unverständnis rechnen, mit fragenden, erstaunten Gesichtern. „Ist das eine Charity, eine Wohltätigkeitsmarsch?“, war oft eine erste Frage. Man wandert nicht weit hier, höchstens mal vom Parkplatz an einen „Scenic Point“. Auch die Wege sind, mit einigen löblichen Ausnahmen in den Bergen, kaum gekennzeichnet, geschweige denn gepflegt. Von Verpflegungsstätten, lauschigen Berghütten unterwegs ganz zu schweigen – wie sehnt man sich da nach einer Hütte wie das Gütler Bergheim…

Im Gegensatz aber zum fast schon „industriellen“, durchgestylten, hippen Jakobsweg ist unser irischer „Gallusweg“ wirklich einsam, hier kann man meditierend gehen, sich nach innen richten, den Gedanken nachhängen. Man kann sich auch verirren, verlaufen – und erst dadurch den richtigen Weg finden. Vielleicht auch zu sich finden…

Gallus und Kolumban, vor allem letzterer, kennen die meisten Iren dem Namen nach. „Ja, das waren doch Mönche, oder?“ und dann ein fragender Blick. Dass diese und andere irischen Mönchen den Kontinent geradezu revolutioniert, evangelisiert und nachhaltig die Gesellschaft und deren Glauben geprägt haben, das weiss sozusagen niemand hier. Eindrücklich, obgleich zum Teil nur noch Steinhaufen, die Überreste monastischer, frühchristlicher Baukunst. In der Mellifont Abbey, bei Monasterboice und vor allem bei der Klosteranlage des hl. Kevin in Glendalough kann man erahnen, wie Gallus & Co gehaust, gelebt, gebetet hatten. Obwohl Klöster damals eine „Welt des Geistes“ waren, boten sie auch Schutz. Das Eingangsgatter jedes Klosters wurde spirituell und praktisch ein Symbol der Rettung. Diese Klöster hatten, wie uns auch Mary Kelly bestätigte, intensiven Kontakt untereinander. Es ist daher gut möglich, dass auch Gallus und vor allem Kolumban, der aus der Gegend von Wicklow stammte, ebenfalls hier im Südosten waren.
Inzwischen hat sich die See und unser Magen etwas beruhigt, die Sonne lächelt schon wieder zwischen einigen Wolken hindurch…

Und wir? Wie ist es uns bisher ergangen?

Die Tages-Distanzen waren eindeutig zu lang. 25 oder 30 Kilometer an einem Tag geht ja noch – aber drei, vier Tage hintereinander… nein, eine zwanzig Kilometer Tagesration muss reichen. Es ist auch ratsam, langsam zu gehen, Pausen zu machen, mal hinzuliegen und den Wolken zuzuschauen. Aber eben, Wolkengucker sind Stefan und ich nun mal nicht…
Dafür guckten wir oft an geschlossene, menschenleere Fabriken, heruntergelassene Läden, verlassene Höfe – die Krise ist hier mit Händen zu greifen. Dies bestätigten uns auch viele unserer Gastgeber in den B&B (die wir nicht in jedem Fall weiterempfehlen können) – Hotels und Kneipen sind leer. Unser Magen auch, er lechzt nach Lunch – und einem Irish Whisky. Gestärkt erreichen wir zusammen mit der Sonne England und nach einer längeren Busfahrt auch Fishguard (wegen des Sturmes wurde unsere Fähre nach Pembroke umgeleitet). Bald können wir in St. Columb Minor unsere Wanderschuhe wieder anschnallen. Gallus, wir kommen.

...und Sonne erwartet die "gestrandeten" Passagiere in Pembroke!

Auch Gallusbär überstand die "heitere" Seefahrt - aber wie wäre es dem richtigen Gallus bei dem Wetter ergangen?

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