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Gedanken zu Invasion und Revolution

Ein "Omaha Beach" der unblutigen Art...

Wir sind in der Bretagne. Unweit von hier beginnt die Normandie, liegt der echte Omaha Beach und die anderen vier Landungsorte der Alliierten vom 6. Juni 1944. Es war eine blutige aber freiheitsbringende Invasion. Hundertausende von Männern befreiten Europa, Tausende liessen dabei ihr Leben um Europa von Tyrannen und dem Nationalsozialismus zu befreien.

Und hier, bei St. Malo, liegt der Strand Guesclin, wo vor über 1400 Jahren bereits eine Invasion stattfand. Eine friedliche, mit nur gerade zwölf Mann. Kein Schuss fiel (gab es noch nicht), kein Pfeil traf ein Herz. Aber diese Invasion löste eine Revolution aus. Sie befreite Europa ebenfalls von Tyrannen, den Germanen, die das Römische Reich längst in Besitz und Beschlag genommen hatten (zumindest besänftigten und befriedigten sie sie).

Wir stehen ehrfürchtig vor diesem Strand und dem Gedenk-Kreuz mit der Tafel davor. Gallus, Kolumban und die anderen zehn revolutionierten die Bildung, die Kultur, waren Lehrer und Vordenker. Die zwölf und viele nach ihnen verliessen ihr Land, ihren Stamm, ihr Netzwerk um auf dem Kontinent neue Netzwerke, neue Gemeinschaften zu bilden, geistliche und weltliche Zentren.

Es waren, dies kann nicht genug betont werden, Adlige, die da wirkten und nach Lebenssinn, nach neuen Aufgaben suchten. Sie waren gut ausgebildet und fühlten sich berufen, christliche Tugenden zu leben und zu verbreiten. Die Christianisierung war für sie auch eine politische Aufgabe. Netzwerke bedeuteten für sie dabei alles – und kaum waren sie in fremden Landen, knüpften sie neue Netzwerke, verbündeten sich mit Königen und Adligen, entlockten ihnen Freiheiten und Ländereien: Klostergründungen konnten nur erfolgen, wenn Könige den Mönchen Grundeigentum schenkten. Kolumban wusste auf der Klaviatur des Netzwerkens wie kein Zweiter zu spielen. Und machte sich auch Feinde. Die Folge war Vertreibung aus Gallien und mehr oder weniger Flucht – in die Schweiz. Zum Glück für St. Gallen und uns.

Wir können daher diese Invasion nicht genug hoch einschätzen – auch wenn wir heute keineswegs mehr – zum Glück – blinde Gefolgsleute dieser Mönche und ihrer Ideen sind.

Nach unserer Wanderung auf den Spuren Gallus‘, vorbei an Stätten und Wirkungsorten aus diesen Zeiten, sind wir beeindruckt, was diese und viele andere Mönche erreicht und errichtet haben. Wir wissen nun noch mehr um die Bedeutung von Gemeinschaften, von Netzwerken, von der Kraft des Willens, von der Macht einer Idee. Mönche waren nicht direkt Weitwanderer, sie liessen sich immer wieder nieder und blieben für Jahre dort. Aber auf ihrem Weg zu einem neuen Wirkungsort legten sie weite Wege zurück und hinterliessen Spuren. Wir haben einige gesehen. Wir können nicht wirklich sagen, dass wir unsere eigenen Spuren hinterlassen haben, aber wir sind in ihren Spuren gewandelt und haben etwas von dieser Kraft gespürt. Diese Kraft hat uns ermöglicht, diesen weiten Weg zu gehen.

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